Grenzen im Netz setzen: Sind Sperrsysteme wirksam?

Das Internet ist ein Ort, an dem es scheinbar keine Grenzen gibt. Internationale Chats und weltweite Bestellungen lassen sich mit einem Klick von jedem Ort rund um den Globus tätigen. Für einige Wirtschaftszweige ist der grenzfreie Raum jedoch ein Dorn im Auge. Verschiedene Sperrsysteme sorgen für Barrieren, die bei verschiedenen Zielgruppen für Frust sorgen können. Aber sind wirklich alle Maßnahmen auf Blockade ausgelegt?  

Grenzen im Netz setzen: Sind Sperrsysteme wirksam?

Als 1969 die erste Nachricht zwischen zwei Computern ohne Austausch von Datenträgern übertragen wurde, war den Entwicklern kaum bewusst, welche Auswirkung ihre Entwicklung haben würde. Mehr als 50 Jahre später klingt diese Anekdote aus den Anfängen des World Wide Web wie eine niedliche Geschichte, die für die aktuelle Generation kaum eine Notiz wert ist. Das Internet ist zu einer Alltäglichkeit geworden, die aus dem Leben nicht mehr wegzudenken ist.

Heute wird in den digitalen Sphären eingekauft, gestreamt, gespielt und kommuniziert. Eine Welt, ein Internet? Fast. Denn trotz aller Verbindungen und Schnittstellen in sämtliche Ecken der Welt haben verschiedene Wirtschaftszweige oder die Politik ein Interesse daran, das Internet nach ländereigenen Regeln oder Vorgaben in Form zu bringen. Hierbei geht es jedoch nicht um Kontrolle oder Zensur, sondern um die Einhaltungen Rechten, Lizenzen oder Vorsichtsmaßnahmen.

Reine Schutzmaßnahme

Mit dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrages im Juli 2021 wurden beispielsweise für Online Casinos und digitale Spielhallen solche Vorgaben in die Wege geleitet. War der Aufschrei groß, dass es sich dabei um eine Zensur mündiger Bürger handelt, die sich in ihrer freien Entscheidung beraubt sehen, steckt hinter der neuen Regulierung ein simpler Schutzauftrag. Casinos, die eine deutsche Lizenz erhalten möchten, sind dazu verpflichtet, die Sperrdatei OASIS in ihre Systeme zu integrieren. Mit dieser Übersicht lässt sich casinoübergreifend prüfen, ob ein Nutzer bereits bei einem zweiten Anbieter registriert oder aus anderen Gründen gesperrt ist. Laut des Glücksspielstaatsvertrages ist in Deutschland nur eine Anmeldung bei einem Casino erlaubt.

Allerdings blendet die Sperrdatei einen wichtigen Faktor aus: Weiterhin sind Casinos ohne Sperrdatei OASIS aus anderen lizensierten Ländern erreichbar, die ihr Angebot unter europäischem Recht anbieten dürfen. Die Anbieter unterliegen den deutschen Gesetzen nicht und sind eine willkommene Alternative für User aus Deutschland und der gesamten Welt. Dabei sind die Dienstleister nicht weniger seriös – es sind schlichtweg andere Auflagen, die erfüllt werden müssen, um die entsprechende Lizenz zu erhalten.

Streamen nur im Lizenzraum

Ähnlich verhält es sich auch in der boomenden Streaming-Branche. Die Vielzahl an internationalen Anbietern ist massiv: Netflix, HBOmax, Hulu, Amazon Prime, RTL+, Paramount+ oder MUBI sind nur einige der erfolgreichen Vertreter, die mit exklusiven Inhalten und Filmen locken. Obwohl sich die Veröffentlichungsstrategie mittlerweile vereinheitlicht hat und Content oft am selben Tag in allen Ländern zur Verfügung gestellt wird, gilt dies bei Lizenzware keinesfalls. Durch territoriale Lizenzverkäufe kann es sein, dass bestimmte Filme oder Serien in anderen Ländern nicht verfügbar sind. Ein Beispiel: Nur weil ein deutscher Film auf Netflix verfügbar ist, muss dieser in Amerika nicht zwangsläufig im Portfolio sein.

Gleiches gilt auch für öffentlich-rechtliche Mediatheken wie den BBC-Player der englischen TV-Institution oder der ARD-Mediathek in Deutschland. Ihr Angebot gilt prinzipiell nur für das eigene Land. Aber auch hier gibt es mit VPN-Programmen die Option, die Ländersperre zu umgehen. Eine Grauzone, mit deren Konsequenzen und Entwicklungen sich die Gerichte schon länger beschäftigen. Dass die Lizenzverträge für Länder eingehalten werden müssen, ist unbestritten. Doch auch die Bereitstellung von VPN-Tools wirkt einen zu großen Reiz aus, sich Programme aus Amerika oder Kanada anzuschauen. Illegal ist dieses Abrufen ortsgebundener Inhalte keineswegs und auch wer per VPN ebendieses Repertoire nutzt, begeht keine Straftat.

Die Frage nach der hundertprozentigen Wirksamkeit solcher Sperrmaßnahmen bleibt ungeklärt. Wie in vieler Hinsicht wäre eine einheitliche Regelung deutlich effektiver als individuelle Regelungen der Länder. Zumindest innerhalb Europas wäre ein Projekt aller EU-Länder ein Fortschritt, um unnötige Hürden zu umgehen und die Existenz von Grauzonen zu verringern. Behörden und User würden diesen Schritt sicherlich auf beiden Seiten begrüßen.

Bildnachweis: