Arzt­su­ch­e­por­tal und die Löschung der Bewer­tung

Bei Mei­nungs­äu­ße­run­gen auf einem Ärz­te­be­wer­tungs­por­tal, bei denen die Gren­ze zur Schmäh­kri­tik nicht über­schrit­ten wird, ist die betrof­fe­ne Ärz­tin nicht rechts­wid­rig in ihrem Per­sön­lich­keits­recht ver­letzt und sie hat die Kri­tik hin­zu­neh­men.

Arzt­su­ch­e­por­tal und die Löschung der Bewer­tung

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den und dem Ver­lan­gen nach Löschung von Bewer­tun­gen und Basis­da­ten einer Augen­ärz­tin kei­nen Erfolg beschie­den. Gleich­zei­tig ist das vor­aus­ge­hen­de Urteil des Land­ge­richts Hanau [1], das der Kla­ge statt­ge­ge­ben hat­te, abge­än­dert wor­den. Die Beklag­te betreibt ein Arzt­su­ch­e­por­tal mit mög­li­cher Arzt­be­wer­tung, auf dem Infor­ma­tio­nen über Ärz­te und Trä­ger ande­rer Heil­be­ru­fe kos­ten­frei abge­ru­fen wer­den kön­nen. Die Beklag­te bie­tet auf dem Por­tal als eige­ne Infor­ma­ti­on sog. Basis­da­ten eines Arz­tes an (Name, Fach­rich­tung, Pra­xis Anschrift, Kon­takt­da­ten ect.). Dane­ben sind Bewer­tun­gen abruf­bar, die Nut­zer in Form eines Noten­sche­mas, aber auch in Form von Frei­t­ext­kom­men­ta­ren abge­ge­ben haben. Gegen Bezah­lung kön­nen die Ärz­te als Anzei­ge gekenn­zeich­ne­te zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen ver­öf­fent­li­chen las­sen, sog. Pre­mi­um­mit­glied­schaft.

Die Augen­ärz­tin aus Hes­sen begehr­te die Löschung der nega­ti­ven Bewer­tung und um Mit­tei­lung des Urhe­bers. Die Bewer­tung wur­de in der Fol­ge­zeit zunächst unsicht­bar, nach einer Rück­spra­che mit dem/​der Urheber/​in des Kom­men­tars jedoch wie­der sicht­bar gemacht. Der Urhe­ber wur­de nicht benannt. Eine Löschung der Basis­da­ten lehn­te die Beklag­te eben­falls ab. Dar­auf­hin hat die Klä­ge­rin die Beklag­te auf Löschung ihrer Basis­da­ten, hilfs­wei­se auf Löschung des Nut­zer­kom­men­tars in Anspruch genom­men. Nach­dem das Land­ge­richt Hanau der Kla­ge statt­ge­ge­ben hat­te, ist dage­gen Beru­fung ein­ge­legt wor­den.

Das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main ist in sei­nem Urteil zu dem Ergeb­nis gelangt, dass die Klä­ge­rin nicht die Löschung ihrer Basis­da­ten ver­lan­gen kön­ne. Auch ohne Zustim­mung der Klä­ge­rin lie­ge hier eine recht­mä­ßi­ge Daten­ver­ar­bei­tung vor. Dies sei gem. der DSGVO der Fall, „wenn die Daten­ver­ar­bei­tung zur Wahr­neh­mung des Ver­ant­wort­li­chen oder eines Drit­ten erfor­der­lich ist, sofern nicht Inter­es­sen oder Grund­rech­te und Grund­frei­hei­ten der betrof­fe­nen Per­son, die den Schutz per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten erfor­dern, über­wie­gen.“ Drit­ten sei­en hier die Nut­zer des Por­tals, die sich über Ärz­te infor­mie­ren woll­ten.

Die „erfor­der­li­che Abwä­gung zwi­schen den berech­tig­ten Inter­es­sen des Ver­ant­wort­li­chen oder eines Drit­ten einer­seits und den Inter­es­sen oder Grund­rech­ten und Grund­frei­hei­ten der betrof­fe­nen Per­son auf der ande­ren Sei­te“ fal­le nach Mei­nung des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt a.M. zulas­ten der Klä­ge­rin aus. Dabei sei zu berück­sich­ti­gen, dass das von der Beklag­ten betrie­be­ne Ärz­te­be­wer­tungs­por­tal eine von der Rechts­ord­nung gebil­lig­te und gesell­schaft­lich erwünsch­te Funk­ti­on erfül­le, sofern die Betrei­be­rin als neu­tra­ler Infor­ma­ti­ons­mit­t­ler auf­tre­te. Dies sei hier der Fall. Anders als in frü­her vom BGH ent­schie­de­nen Kon­stel­la­tio­nen lägen ins­be­son­de­re kei­ne ver­deck­ten Vor­tei­le für die sog. Prä­mi­en­kun­den (mehr) vor. Für den Nut­zer sei viel­mehr klar ersicht­lich, dass für die Anzei­gen, die als sol­che bezeich­net und farb­lich unter­legt sei­en, eine Ver­gü­tung zu ent­rich­ten sei. Es feh­le dem­nach nicht an der erfor­der­li­chen Trans­pa­renz.

Wei­ter­hin kön­ne die Klä­ge­rin auch nicht Löschung der Bewer­tung ver­lan­gen. Das vom Port­al­be­trei­ber in der­ar­ti­gen Fäl­len ein­zu­hal­ten­de Ver­fah­ren sei hier durch­ge­führt wor­den. Die bemän­gel­te Kri­tik sei von der Klä­ge­rin hin­zu­neh­men, da sie dadurch nicht rechts­wid­rig in ihrem Per­sön­lich­keits­recht ver­letzt wer­de. Es han­de­le sich um Mei­nungs­äu­ße­run­gen, die die Gren­ze zur Schmäh­kri­tik nicht über­schrit­ten. Sie beruh­ten auch auf einem Besuch bei der Klä­ge­rin und ent­behr­ten dem­nach nicht jeder Tat­sa­chen­grund­la­ge.

Da die Sache grund­sätz­li­che Bedeu­tung hat, ist die Revi­si­on zuge­las­sen wor­den.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 9. April 2020 – 16 U 218/​18

  1. LG Hanau, Urteil vom 08.11.2018 – 7 O 599/​18[]