Sper­re des eBay-Händ­ler­kon­tos

Das Online-Auk­ti­ons­haus eBay darf nach einem Urteil des Kar­tell­se­nats des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richts bei Nega­tiv­be­wer­tun­gen und bei Ver­stö­ßen gegen eBay-Grund­sät­ze Händ­ler­kon­ten sper­ren.

Sper­re des eBay-Händ­ler­kon­tos

eBay säu­bert im Inter­es­se des Kun­den­schut­zes mit schar­fen Maß­nah­men den von ihm zur Ver­fü­gung gestell­ten Inter­net­markt­platz. Betrof­fen sind vor allem die­je­ni­gen gewerb­li­chen Ver­käu­fer, die den seit Anfang 2007 gel­ten­den ver­schärf­ten Zuver­läs­sig­keits­an­for­de­run­gen nicht ent­spre­chen. Bei Ver­stö­ßen gegen sei­ne Vor­ga­ben kün­digt eBay die Ver­trä­ge frist­los und sperrt von einem auf den ande­ren Tag die Kon­ten der Händ­ler. Dar­über hin­aus wer­den selbst lang­jäh­rig täti­gen Händ­lern die eBay-Kon­ten frist­ge­recht – mit einer Frist von 14 Tagen zum jewei­li­gen Monats­en­de – gekün­digt, wenn ihre Kun­den sie mehr­fach schlecht bewer­ten.

Das für die deut­sche eBay-Nie­der­las­sung zustän­di­ge Land­ge­richt Pots­dam und zweit­in­stanz­lich das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt sind in der Ver­gan­gen­heit in einer Rei­he von Fäl­len – im Ergeb­nis fast immer erfolg­los – von Händ­lern ange­ru­fen wor­den, die eine der­ar­ti­ge frist­lo­se oder frist­ge­rech­te Kün­di­gung nicht hin­neh­men woll­ten. In einem kürz­lich erlas­se­nen Urteil hat der Kar­tell­se­nat des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richts zur Wirk­sam­keit der­ar­ti­ger Kün­di­gun­gen Stel­lung genom­men.

In dem ent­schie­de­nen Fall wur­de von einem Mit­glieds­kon­to eines Com­pu­ter­shops mehr­fach im Rah­men von Auk­tio­nen auf Waren gebo­ten, die von einem ande­ren Kon­to des­sel­ben Com­pu­ter­shops aus ein­ge­stellt wor­den waren. In den Fäl­len, in denen sich kein drit­ter Käu­fer fand, der Com­pu­ter­shop also auf sei­nem höchs­ten Gebot „sit­zen­blieb“, wur­de der Ver­kauf „rück­ab­ge­wi­ckelt“, um die bei Durch­füh­rung der Trans­ak­ti­on anfal­len­den eBay-Gebüh­ren zu spa­ren. eBay sperr­te dar­auf­hin alle Mit­glieds­kon­ten mit sofor­ti­ger Wir­kung und kün­dig­te das Ver­trags­ver­hält­nis frist­los, hilfs­wei­se frist­ge­recht

Der Antrag des Com­pu­ter­shops auf Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung mit dem Ziel, sei­ne Mit­glieds­kon­ten wie­der frei geschal­tet zu bekom­men, ist vor dem Land­ge­richt Pots­dam ohne Erfolg geblie­ben. Die dage­gen ein­ge­leg­te sofor­ti­ge Beschwer­de hat der Kar­tell­se­nat des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richt zurück­ge­wie­sen.

Nach der nun­mehr vor­lie­gen­den schrift­li­chen Ent­schei­dungs­be­grün­dung stellt die zu Tage getre­te­ne ver­such­te oder voll­ende­te Beein­flus­sung des Auk­ti­ons­er­geb­nis­ses zu Las­ten der Mit­bie­ter einen schwe­ren Ver­trags­ver­stoß des Com­pu­ter­shops dar, der die frist­lo­se Kün­di­gung und die sofor­ti­ge Sper­rung aller Kon­ten recht­fer­tigt. Dass nach Dar­stel­lung des Inha­bers des Com­pu­ter­shops nicht er selbst, son­dern einer sei­ner Mit­ar­bei­ter, der Zugang zu allen Mit­glieds­kon­ten gehabt haben soll, für die Mani­pu­la­tio­nen ver­ant­wort­lich gewe­sen sei, hielt der Senat für uner­heb­lich. Ein gewerb­li­cher Ver­käu­fer kön­ne sich nicht mit Erfolg dar­auf beru­fen, dass ein Mit­ar­bei­ter unbe­fugt und ohne sei­ne Kennt­nis in die­ser Art und Wei­se gehan­delt habe. Der Ver­käu­fer haf­te näm­lich für sei­nen Mit­ar­bei­ter, da er sei­ne Zugangs­da­ten an ihn wei­ter­ge­ge­ben und damit das miss­bräuch­li­che Han­deln von sei­nen Kon­ten aus ermög­licht habe.

In der münd­li­chen Ver­hand­lung hat das OLG zudem deut­lich gemacht, dass er auch die vor­sorg­lich von eBay aus­ge­spro­che­ne frist­ge­rech­te Kün­di­gung für rech­tens erach­te. Die Klau­sel in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, die eBay die frist­ge­rech­te Kün­di­gung ermög­licht, ohne dass ein beson­de­rer Grund dafür ange­ge­ben wer­den muss, sei wirk­sam. Mit der Kün­di­gung nüt­ze eBay auch nicht miss­bräuch­lich eine markt­be­herr­schen­de Stel­lung aus. Denn eine der­ar­ti­ge Stel­lung kom­me eBay als Anbie­ter von Inter­net-Ver­kaufs­plät­zen nicht (mehr) zu.

Bran­den­bur­gi­sches Ober­lan­des­ge­richt, Urteil vom 17.6.2009 – Kart W 11/​09

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